Wetzikon Das Bläserensemble Arion-Quintett und Werner Bärtschi traten in der Aula der Kantonsschule auf

Bärtschis Piano auf Kosten der Flötistin

Beim Konzert des Oberländer Musikkollegiums spielte der musikalische Leiter Werner Bärtschi mit dem Arion Bläserquintett
________________________________________________________________________________________________
Rita Wolfensberger
Feste Streichquartette gibt es in erfreulicher Menge. Und unter Bläsern? Da gibt es selbstverständlich die vielen Blasmusiken, die sich vor allem der Volks- und Freiluftmusik widmen. Auf dem Gebiet der klassischen Musik sind hier die festen Ensembles jedoch äusserst selten, nicht zuletzt des nur knappen Repertoires wegen, das die Komponisten ihnen bislang beschert haben.

Mal mit, mal ohne Flötistin

Nun ist in Wetzikon das Arion-Quintett mit einem attraktiven Programm aufgetreten, das beweist, wie unerwartet vielfältig die Klang- und Ausdruckswelt auch für diese Instrumentalgruppe sein kann. Sie besteht im Prinzip aus Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott und Horn, aber deren Spieler Isabelle Schnöller, Matthias Arter, Curzio Petraglio, Matthias Bühlmann und lorenz Rath haben mit grosser Geschicklichkeit zur Anreicherung der Klangfarbenpalette gegriffen: Die Flötistin wusste sich ausser dem Hauptinstrument souverän auch des Piccolos und der Altflöte zu bedienen, desgleichen Matthias Arter, der Oboe wie Englischhorn und Oboe d'amore gleichermassen gekonnt zur Geltung bringt. Und selbst Klarinettist Petraglio griff bei Bedarf zur wohlklingenden Bassklarinette. Ausserdem haben sich die Arion-Musiker noch einen zusätzlichen Partner aus der Gilde der Pianisten geholt (auf Kosten der Flöte), wohl deshalb, weil just für die Gruppierung Quintett für Klavier und Bläser Mozart und Beethoven die beiden bedeutendsten und wohl auch schönsten Kompositionen ersonnen haben. Der Rahmen des Konzerts waren diese herrlichen Werke; und da deren Schöpfer selber überragende Pianisten waren, versteht es sich von selbst, dass die jeweiligen Klavierparte überaus farbenfroh und wirkungsvoll ausgestaltet sind. Dies zu prächtigem Wohllaut zu bringen, war Werner Bärtschi der richtige Mann.
Schon in der Largo-Introduktion des Quintetts KV 452 von Mozart trat eine perfekte gestalterische Homogenität der fünf Spieler zutage, wobei die sorgfältig definierten Klangpläne je nach Funktion von Soli, Begleitparten oder wechselnden Duoformationen zu plastischer Geltung gelangten. Es wurden auch dynamische, virtuose und vor allem bildhafte Elemente geformt.

Zusammenspiel auf Top-Niveau

Das Bläserquintett (nun mit Flöten) op. 43 des Dänen Carl Nielsen öffnete hernach die Grenzen zur Spätromantik, nicht ohne ahnungsvolle Ausblicke in die Neuzeit zu gewähren mit gelegentlich raffinierter Harmonik, aber auch humoristischen Anspielungen. Das Werk enthält einen geistvollen Variationensatz, in welchem alle Möglichkeiten vom Ernst bis zum Lustigen, vom Bravourösen bis zum Kantablen durchgespielt werden und durch die Interpreten zu glänzender Wirkung gebracht wurden.
Klanglich wie interpretatorisch steigerte sich das musikalische Niveau mit den «Zehn Stücken für Bläserquintett» von György Ligeti noch. Die Ansprüche des Zusammenspiels waren hier dermassen eminent hoch, dass Kollege Arter deren tadellose Erfüllung mehrfach - mitunter sogar selber mitblasend - dirigierend absicherte.
Fürs abschliessende Quintett für Klavier und Bläser op. 16 von Beethoven war Bärtschi nochmals am Flügel. Wiederum beeindruckte die perfekte künstlerische Einigkeit der fünf Partner. Beachtlich schon die Intonationspräzision im beginnenden Unisono, gekonnt mit geradezu dramaturgisch konzipierten jeweiligen Funktionen der einzelnen oder auch gruppierten Instrumente. Zudem waren die Überleitungen fantasievoll ausgestaltet. Draufgängerisch war zum Schluss dann das sprühende Finale, in welchem alle Beteiligten ihr ganzes Können mit vollem Einsatz aufboten. Ein Kammermusikabend der ganz grossen Klasse war vorbei.