Grüningen Konzert des Musikkollegiums Zürcher Oberland mit Eriko Habata und Kosuke Yoshikawa

Mit Schalk und feurigem Charme

Die beiden Japaner Eriko Habata und Kosuke Yoshikawa begeisterten mit einem fulminanten Konzert in der Schlosskirche Grüningen

Irene Maier

Dass dem Musikkollegium Zürcher Oberland ein besonderes Flair für die Entdeckung grosser Musiktalente eigen ist, hat es in der Vergangenheit schon oft bewiesen. Am Freitagabend durfte das Publikum Zeuge eines grossartigen Duospiels zweier junger Musiker werden. Einen einzigen Höhepunkt gab es nicht, man begab sich von Höhepunkt zu Höhepunkt.

Die Pianistin Eriko Habata und der Geiger Kosuke Yoshikawa haben sich ein Programm mit drei Meisterwerken der Literatur für Violine und Klavier ausgesucht, die zeitlich zwar kein dreiviertel Jahrhundert auseinanderliegen, aber in ihrem Stil doch sehr verschieden sind.

Agiler, warmer Geigenton

Den Anfang machte die Sonate op. 78 von Johannes Brahms. Diese Sonate, deren Grundgedanke auf dem Clara Schumann gewidmeten «Regenlied» basiert, bedingt ein ausgeprägtes musikalisches Einfühlungsvermögen in die Lyrik dieser hochromantischen Musik. Die ebenso leidenschaftliche wie zartfühlende Interpretation des sehr jungen Duos bestach durch eine erstaunliche Reife. Mit seinem agilen, warmen Geigenton vermochte Kosuke Yoshikawa mühelos den Wechsel zwischen träumerischen Kantilenen und expressiver Leidenschaft zu vollziehen und den erzählerischen Duktus spannend zu halten. Eriko Habata war ihm eine adäquate Partnerin und integrierte die Intensionon der Violine mit einer bestechenden Selbstverständlichkeit in ihr Klavierspiel.

Am Klavier Paroli geboten

Maurice Ravels dreisätzige Sonate mit dem berühmten Blues in der Mitte gehört zu den Werken, denen die Interpreten, je nach Gusto, einen besonders eigenwilligen Stempel aufdrücken können und dürfen. Das tat an diesem Abend besonders der junge Geiger. Und er tat es mit feurigem Charme, extravertiert und mit einer hübschen Prise Schalk. Für die Pizzicati zu Beginn des zweiten Satzes klemmte er die Geige unter den Arm und imitierte damit den von Ravel angedeuteten «Banjo-Sound». Auch schien ihn der Blues-Rhythmus körperlich in Besitz zu nehmen. Im anschliessenden «Perpetuum mobile» blitzten die Töne durch die irrwitzigsten Passagen, ohne dabei an Durchsichtigkeit einzubüssen. Eriko Habata bot ihm am Klavier leichtfingrig Paroli und setzte die tänzerischen Akzente. Allerdings hätte ihr zuweilen eine markantere klangliche Durchsetzungskraft nicht geschadet.

Technische Brillanz

Für den glänzenden Konzertabschluss mit Franz Schuberts Fantasie in C-Dur wurden nochmals alle musikalischen Sensoren eingeschaltet. Dieses Stück für Violine und Klavier setzt nicht nur eine fabelhafte instrumentale Technik voraus, es stellt auch höchste Anforderungen an die musikalische Gestaltungsfähigkeit der Interpreten. Sehr zu Unrecht wird dieses mitreissende letzte Kammermusikwerk Schuberts so selten auf den Konzertbühnen dargeboten. Umso erfreulicher ist, dass junge Kammermusikerinnen und Kammermusiker sich dieser Aufgabe stellen. Eriko Habata und Kosuke Yoshikawa faszinierten mit einer durchdachten, spannungsreichen Interpretation. Beide besitzen das Feingefühl für die sanglichen Momente, die Agilität und die technische Brillanz für das Klangfarbenspektrum und die Rhythmenvielfalt. Dabei waren sie in stetem Dialog hellhörig aufeinander abgestimmt. Dieses Konzert wird man gerne in Erinnerung behalten.

Zürcher Oberländer, 29. November 2010