Reüssiert, wo schon so viele gescheitert sind

Werner Bärtschi beeindruckte an der Klavierissimo

 Langer Applaus gabs vom Wetziker Publikum für Werner Bärtschi. (Bild: bag)

 Den dritten Abend der Konzertreihe «Klavierissimo» bestritt Werner Bärtschi. Der zweite Konzertteil mit einem Werk Chopins erwies sich als einer der Höhepunkte des gesamten Anlasses.

Renato Bagattini

An den Préludes op. 28 von Frédéric Chopin kann man sich leicht die Fin-ger verbrennen. Doch das 1837 auf Mallorca vollendete Werk verströmt einen betörenden Duft, dem kaum ein Pianist, der etwas auf sich hält, widerstehen kann. Es umfasst 24 verschiedene Tonarten und ist eine wahre Herausforderung an die Technik jedes Tastenkünstlers. Und es erfordert im gleichen Masse ein grosses musikalisches Verständnis. Kein Wunder also, haben sich auch die grössten Pianisten an diesem Werk immer wieder mit unterschiedlichen Ergebnissen versucht. Die Messlatte liegt also hoch - Hut ab deshalb vor jedem, der das Kunststück wagt.

Pflanze, Sturm und Stille

Werner Bärtschi hat es ebenfalls ge-wagt. Und es sei gleich gesagt, dass seine Interpretation ohne Wenn und Aber zu den Höhepunkten der siebten Ausgabe des «Klavierissimo» gezählt werden muss. Was in C-Dur als zarte Pflanze und nur so hingehaucht be-ginnt, endet in d-Moll in einem fulminanten, krachenden Sturm und mündet in einer absolute Stille. Bärtschi versteht es, den Charakter jedes einzelnen die-ser Stücke herauszuarbeiten und stark und präsent auf die Tasten zu übertragen. Was scheinbar leichtfüssig daherkommt, ist in Wirklichkeit das schwierige Unterfangen, die Feinheiten auch wirklich fein und filigran darzustellen. Das Stück verzeiht keine Unkonzentriertheit, steht und fällt mit dem persönlichen Engagement des Interpreten, der im Falle Bärtschis nach rund 40 Minuten die Früchte seiner Arbeit ernten konnte. Das Publikum in der Aula der Kantonsschule Wetzikon hielt sich am Freitagabend nicht zurück: Spontane «Bravo»-Rufe und ein nicht enden wollender Applaus liessen zweifelsfrei den Rückschluss zu, dass Bärtschi die Seele des Stücks getroffen hatte.

Meister der Spannungsaufbaus

Eingestiegen in den Abend war der musikalische Leiter des Musikkolle- giums Zürcher Oberland mit drei Stücken aus dem 18. Jahrhundert: mit Carl Philipp Emanuel Bachs Sonate VI, H75, Joseph Haydns Sonate D-Dur Hob XVI/42 sowie Ludwig van Beethovens früher f-Moll-Sonate op. 2/1. Auch hier zeigte sich Bärtschi als ein Meister des Spannungsaufbaus, der vorerst in der Beethoven-Sonate einen ersten Höhepunkt fand. Nahtlos nahm der Pianist nach der Pause den Faden wieder auf, um dann nochmals spürbar zulegen zu können.

Sprung zum Boogie-Woogie

Später am Abend - ein Novum beim «Klavierissimo» - traten übrigens mit dem Brüderpaar Heinz und Marcel Brunner zwei Oberländer Pianisten auf, die sich ganz dem Boogie-Woogie verschrieben haben. Mit genrefremder Musik schlugen die Veranstalter der klassischen Konzertreihe einen grossen Bogen hinüber zu ihren Kollegen aus der Unterhaltungsmusikbranche.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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