NZZ - Trio Wanderer
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Routiniert Das Trio Wanderer in der Schlosskirche Grüningen Thomas Schacher · Meistens finden die Konzerte des Musikkollegiums Zürcher Oberland in Wetzikon statt. Aber zwischendurch schwärmen die Veranstalter aus und nisten sich in attraktiven Spielstätten der Umgebung ein. So war denn am Freitag wieder einmal die geschichtsträchtige Schlosskirche Grüningen an der Reihe. Angekündigt war ein Kammermusikabend des Trios Wanderer aus Frankreich. Der Pianist Vincent Coq, der Geiger Jean-Marc Phillips-Varjabédian und der Cellist Raphaël Pidoux hatten sich 1987 am Pariser Conservatoire zusammengetan, gewannen in der Folge diverse Preise und verfolgen heute als Trio eine internationale Karriere. Dass im gegenwärtigen Chopin-Jahr dessen Klaviertrio in g-Moll op. 8 den Anfang des Konzerts machte, bedeutet eine schöne Geste der drei Musiker. Zusammen mit der späten Cellosonate bildet das Klaviertrio des 19-jährigen Chopin den einzigen Beitrag des Komponisten auf dem Feld der Kammermusik. Die Aufführung zeigte trotz alledem, dass Chopins Medium in erster Linie das Klavier war und dass sein Umgang mit den Streichinstrumenten nicht ganz auf gleicher Höhe stand. Dass man mit der Wiedergabe nicht recht warm wurde, lag indes nicht nur an der Vorherrschaft des Klaviers, sondern auch an einer Interpretation, die zwar sehr gekonnt, aber auch ein bisschen routinemässig daherkam. Eine gute Programmidee wäre es gewesen, nach Chopin ein Klaviertrio von Liszt anzufügen. Es handelt sich dabei um das Stück «Tristia», bei dem Liszt auf sein früher komponiertes Klavierstück «Vallée d'Obermann» zurückgriff. So hätte man zwei Kammermusikstücke zweier ausgesprochener Klavierkomponisten des 19. Jahrhunderts miteinander vergleichen können. Doch peinlicherweise hatte das Trio Wanderer die Noten von «Tristia» nicht dabei und ersetzte das programmierte Stück durch Schuberts Triosatz in Es-Dur, der unter dem Namen «Notturno» bekannt ist. Dieses Adagio haben die drei Musiker bestimmt schon Dutzende Male gespielt, und auch hier gewann man den Eindruck routinierter Geschliffenheit, der aber eine gewisse Sensibilität mangelte. Mehr Engagement zeigten die «Wanderer» bei Brahms' h-Moll-Klaviertrio op. 8. Sie spielten nicht die erste Fassung des 20-jährigen Komponisten, sondern die einschneidende Spätfassung von 1889. Hatte Brahms in der Frühfassung noch etliche musikalische Anspielungen auf seine schwärmerische Liebe zu Clara Schumann gemacht, so hat er diese in der revidierten Fassung alle herausgestrichen. Wer also, so folgt daraus, die Spätfassung spielt, müsste emotional zurückhaltender und objektiver interpretieren. Doch das Trio Wanderer hatte alles andere als abgeklärtes Spiel im Sinn und deutete das Spätwerk in den kräftigsten Farben und in einer oft ausufernden Lautstärke, die den akustischen Gegebenheiten der Schlosskirche zu wenig Rechnung trug. Grüningen, Schlosskirche, 19. März. |
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