Neue Zürcher Zeitung, 4. Februar 2010

Klavierfestival

Cyprien Katsaris in Wetzikon

Thomas Schacher ⋅ Bereits zum siebten Mal veranstaltet das Musikkollegium Zürcher Oberland in Wetzikon ein kleines Klavierfestival. Es ist dem künstlerischen Leiter Werner Bärtschi auch dieses Jahr gelungen, namhafte Pianisten für seine Idee zu gewinnen. Die vier Abende in der Aula der Kantonsschule Wetzikon stehen dieses Jahr im Zeichen von Chopin, dessen 200. Geburtstag die Musikwelt heuer feiert. Den Reigen der Auftritte eröffnete der französisch-zypriotische Pianist und Komponist Cyprien Katsaris. Dieser ist unter anderem mit der virtuosen Darbietung von Liszts Klaviertranskriptionen der Sinfonien Beethovens bekannt geworden.

Katsaris' Rezital beruhte auf der Gegenüberstellung von Werken Chopins mit solchen anderer Komponisten, die sich auf Chopin beziehen. Leider stellte er, in Abänderung des gedruckten Programms, die Kommentare voran und liess dann die Originale folgen. Aus den Klavierwerken Chopins präsentierte der Pianist eine Auswahl von Préludes, Walzern, Nocturnes, Mazurkas und Polonaises, die mehr auf den Bekanntheitsgrad als auf den Zusammenhang der Stücke ausgerichtet war. Aber auch so erwies sich Katsaris als ein begnadeter Chopin-Spieler. Es ist ein Genuss, wie er die Melodien vom begleitenden Passagenwerk abhebt, wie er Nebenstimmen aufblühen lässt. Alles geschieht mit einer unsäglichen Leichtigkeit, das Virtuose hat nichts Angestrengtes. Und über allem schwebt eine Noblesse, die man aristokratisch nennen kann. Mit Liszts «Wiosna» und Schumanns «Variationen über das Nocturne op. 15/3 von Chopin» folgten die Reverenzen an den Jubilar. Eine Entdeckung in dieser Gruppe bildeten zwei effektvolle Werke des Amerikaners Louis Moreau Gottschalk, eines Zeitgenossen Chopins. Die Sensation brachte dann die Zugabe, eine rauschende Improvisation über verschiedene Melodien aus Oper und Konzert. So muss Franz Liszt improvisiert haben.

Der berühmteste Gast am Wetzikoner «Klavierissimo», Ivo Pogorelich, spielt unter anderem Chopins h-Moll-Sonate. Des Weiteren treten die Brasilianerin Eliane Rodrigues und der junge Russe Boris Spasski in reinen Chopin-Programmen auf, Werner Bärtschi interpretiert die Préludes op. 28. Als Gegenpol bieten die «Piano Brothers» Heinz und Marcel Brunner aus dem Zürcher Oberland in einem Late-Programm traditionellen Boogie an. Und in einer Sonntags-Matinee zeigen junge Talente aus der Region, die zuvor bei den Solisten einen Schnupper-Unterricht genossen haben, ihr Können.

Wetzikon, Aula der Kantonsschule, bis 7. Februar. Programm unter www.klavierissimo.ch.

 

 

 

Diese Seite ist in Bearbeitung...